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SupplementsGroßer Guide

Kreatin: Wirkung, Dosierung und Mythen im Faktencheck

Kreatin ist das am besten untersuchte Sportsupplement der Welt – und trotzdem voller Mythen. Was es wirklich bewirkt, wie du es richtig dosierst, ob du eine Ladephase brauchst und was an Haarausfall, Nierenschäden und Wassereinlagerung dran ist.

VonMichael Lohrberg

12 Min. Lesezeit

Grafik: Strukturformel des Kreatin-Moleküls in Cyan

Kurz & knapp

Kreatin-Monohydrat ist das am besten belegte Supplement für Kraft und Muskelaufbau. Nimm täglich 3 bis 5 Gramm – jeden Tag, auch an trainingsfreien Tagen, zu einer beliebigen Uhrzeit. Eine Ladephase mit 20 g pro Tag für 5–7 Tage füllt die Speicher schneller, ist aber nicht nötig; nach 3–4 Wochen ist das Ergebnis gleich. Bei gesunden Menschen gilt Kreatin in diesen Mengen als sicher. Die typische Gewichtszunahme von 1–2 kg ist Wasser im Muskel, kein Fett.

Wenn es ein Supplement gibt, das den Hype tatsächlich verdient, dann ist es Kreatin. Seit Anfang der 1990er-Jahre wurde es in mehreren hundert Studien untersucht – bei Sportlern, älteren Menschen, Frauen, Vegetariern, sogar bei neurologischen Erkrankungen. Das Ergebnis ist bemerkenswert konsistent: Kreatin verbessert die Leistung bei kurzen, intensiven Belastungen und unterstützt den Aufbau von Kraft und Muskelmasse. Gleichzeitig ist es eines der sichersten und günstigsten Supplements überhaupt.

Trotzdem halten sich zahlreiche Mythen: Kreatin schade den Nieren, mache dick, verursache Haarausfall, sei „Doping“ oder man müsse es in komplizierten Zyklen einnehmen. In diesem Guide prüfen wir, was davon stimmt – und erklären Schritt für Schritt, wie du Kreatin richtig einsetzt. Er ist der Pillar-Artikel unseres Themenbereichs Supplements.

Was ist Kreatin überhaupt?

Kreatin ist eine körpereigene Substanz, die aus den drei Aminosäuren Arginin, Glycin und Methionin gebildet wird – vor allem in Leber und Nieren. Etwa 95 Prozent des Kreatins im Körper sind in der Skelettmuskulatur gespeichert, der größte Teil davon als Kreatinphosphat.

Der Körper produziert täglich etwa ein bis zwei Gramm selbst. Zusätzlich nehmen wir Kreatin über die Nahrung auf, vor allem über Fleisch und Fisch: Ein Kilogramm rohes Rindfleisch oder Lachs enthält grob drei bis fünf Gramm. Vegetarier und Veganer nehmen deshalb kaum Kreatin über die Nahrung auf und haben im Schnitt niedrigere Muskelspeicher – sie profitieren von einer Supplementierung oft besonders stark.

Wie Kreatin wirkt: Energie für die ersten Sekunden

Jede Muskelkontraktion braucht ATP (Adenosintriphosphat), die universelle Energiewährung der Zelle. Das Problem: Der Muskel speichert nur so viel ATP, wie für wenige Sekunden maximaler Arbeit reicht. Danach muss es schnell nachgebildet werden. Genau hier kommt Kreatinphosphat ins Spiel: Es gibt seine Phosphatgruppe ab und baut das verbrauchte ATP in Sekundenbruchteilen wieder auf.

Je voller die Kreatinphosphat-Speicher, desto länger kann der Muskel bei hoher Intensität Energie liefern. Konkret heißt das: Bei einem harten Satz schaffst du ein bis zwei Wiederholungen mehr, beim Sprint bleibst du einen Hauch länger schnell, und zwischen den Sätzen erholst du dich etwas schneller. Über Wochen und Monate summieren sich diese kleinen Vorteile zu mehr Trainingsvolumen – und damit zu mehr Kraft und Muskelaufbau.

20–40 %höhere Kreatinspeicher im Muskel sind durch Supplementierung möglich – je niedriger der Ausgangswert, desto größer der Effekt

Was Kreatin nachweislich bewirkt

Die Forschungslage lässt sich in fünf Kernpunkten zusammenfassen:

  1. Mehr Kraft und Leistung: Meta-Analysen zeigen im Schnitt zusätzliche Kraftzuwächse bei Übungen wie Bankdrücken und Kniebeuge im Vergleich zu Placebo, wenn Kreatin mit Krafttraining kombiniert wird.
  2. Mehr Muskelmasse: Kombiniert mit Training führt Kreatin im Durchschnitt zu etwas größeren Zuwächsen an fettfreier Masse. Ein Teil davon ist Wasser im Muskel, ein Teil echtes Gewebe – vermutlich, weil mehr Trainingsvolumen möglich ist.
  3. Bessere Sprint- und Intervallleistung: Bei wiederholten kurzen Belastungen, etwa im Teamsport oder beim HIIT-Training, profitieren Sportler deutlich.
  4. Schnellere Erholung zwischen Sätzen: Die Speicher füllen sich schneller wieder auf.
  5. Mögliche Vorteile für das Gehirn: Einige Studien deuten auf positive Effekte auf kognitive Leistung bei Schlafmangel und im Alter hin. Hier ist die Datenlage aber noch weniger eindeutig.

Wichtig ist eine realistische Einordnung: Kreatin ist kein Steroid. Es macht aus einem mittelmäßigen Programm kein gutes. Der Effekt ist spürbar, aber er bewegt sich im Bereich einiger zusätzlicher Prozent – nicht in dem von Wundern. Training, Ernährung und Schlaf bleiben die großen Hebel, wie wir im Muskelaufbau-Guide ausführlich erklären.

Wer profitiert besonders?

Nicht jeder reagiert gleich stark. Etwa 20 bis 30 Prozent der Menschen gelten als „Non-Responder“ – meist, weil ihre Speicher durch die Ernährung ohnehin schon gut gefüllt sind. Besonders profitieren:

GruppeWarum
Vegetarier und Veganerniedrige Ausgangsspeicher, kaum Kreatin aus der Nahrung
Kraftsportlerviele kurze, intensive Belastungen
Teamsportler und Sprinterwiederholte Antritte mit kurzer Erholung
Menschen ab 50Unterstützung beim Erhalt von Muskelmasse in Kombination mit Krafttraining
Hybrid-AthletenLeistung bei Intervallen und Kraftanteilen

Für reine Ausdauersportler ist der Nutzen geringer, aber nicht null – vor allem bei Zwischensprints und Schlussspurts. Mehr dazu liest du in Kreatin für Ausdauersportler und Läufer.

Dosierung: So einfach ist es wirklich

Die gute Nachricht: Die richtige Einnahme von Kreatin ist simpel. Die meisten Mythen rund um Ladephasen, Zyklen und Timing machen sie komplizierter, als sie ist.

Die Erhaltungsdosis: 3 bis 5 Gramm täglich

Für die allermeisten reichen 3 bis 5 Gramm Kreatin-Monohydrat pro Tag. Mit dieser Menge sind die Muskelspeicher nach etwa drei bis vier Wochen vollständig gefüllt und bleiben es, solange du die Einnahme fortsetzt. Schwerere Athleten über etwa 90 kg können sich am oberen Ende orientieren. Mehr als fünf Gramm täglich bringen keinen zusätzlichen Nutzen – der Überschuss wird über den Urin ausgeschieden.

Die Ladephase: optional, nicht notwendig

Wer schneller Ergebnisse will, kann mit einer Ladephase starten: 5 bis 7 Tage lang etwa 20 Gramm pro Tag, aufgeteilt auf vier Portionen à 5 Gramm. Danach geht es mit 3 bis 5 Gramm weiter. Die Speicher sind so bereits nach einer Woche voll statt nach vier.

Der Nachteil: Größere Einzelportionen können bei manchen Menschen Blähungen, Durchfall oder Magendrücken auslösen. Und nach einem Monat ist das Ergebnis exakt dasselbe wie ohne Ladephase. Für die meisten gilt deshalb: Lass sie weg und starte direkt mit der Erhaltungsdosis.

MethodeWoche 1Ab Woche 2Speicher voll nach
Mit Ladephase20 g/Tag (4 × 5 g)3–5 g/Tagca. 5–7 Tagen
Ohne Ladephase3–5 g/Tag3–5 g/Tagca. 3–4 Wochen

Timing: vor oder nach dem Training?

Einige Studien deuten einen minimalen Vorteil an, wenn Kreatin rund ums Training eingenommen wird, vor allem danach. Der Effekt ist aber klein und nicht konsistent. Entscheidend ist, dass deine Speicher dauerhaft voll sind – und das erreichst du durch tägliche, regelmäßige Einnahme, nicht durch perfektes Timing.

Der beste Zeitpunkt ist deshalb der, den du nicht vergisst: morgens zum Kaffee, mittags zum Essen oder im Shake nach dem Training. Die Einnahme zusammen mit einer Mahlzeit, die Kohlenhydrate und Protein enthält, kann die Aufnahme in den Muskel leicht verbessern.

Auch an trainingsfreien Tagen?

Ja. Es geht nicht darum, Kreatin für ein bestimmtes Training „bereitzustellen“, sondern die Speicher dauerhaft gefüllt zu halten. Lässt du es an Ruhetagen weg, sinken die Speicher langsam – nicht dramatisch, aber unnötig.

Welche Kreatin-Form ist die beste?

Im Regal stehen Dutzende Varianten: Kreatin-Monohydrat, Kreatin-HCL, Kre-Alkalyn, Kreatin-Ethylester, Kreatin-Malat, „gepuffertes“ Kreatin, flüssiges Kreatin, Kreatin-Kapseln mit Zusätzen. Die Antwort der Forschung ist eindeutig: Kreatin-Monohydrat ist die am besten untersuchte und mindestens gleich wirksame Form. Keine der teureren Alternativen hat in direkten Vergleichen einen belegten Vorteil gezeigt, manche schneiden sogar schlechter ab.

Worauf du beim Kauf achten solltest:

  • Reines Monohydrat ohne unnötige Zusätze.
  • Feine Mahlung („mikronisiert“) löst sich besser in Wasser, ist aber kein Muss.
  • Prüfsiegel einer unabhängigen Kontrolle auf Verunreinigungen und verbotene Substanzen, besonders für Wettkampfsportler.
  • Pulver statt Kapseln: Für 5 Gramm brauchst du sechs bis acht Kapseln – Pulver ist günstiger und praktischer.

Allgemeine Kriterien für gute Supplement-Qualität erklären wir in Supplement-Qualität: Woran du gute Produkte erkennst.

Die großen Mythen im Faktencheck

Mythos 1: „Kreatin schadet den Nieren“

Diese Sorge ist die häufigste und gleichzeitig die am besten untersuchte. Bei gesunden Menschen haben Studien mit üblichen Dosierungen über Zeiträume von Monaten bis zu mehreren Jahren keine Verschlechterung der Nierenfunktion gezeigt.

Woher kommt dann der Mythos? Kreatin wird im Körper zu Kreatinin abgebaut – und Kreatinin ist ein Laborwert, mit dem Ärzte die Nierenfunktion abschätzen. Wer Kreatin nimmt, hat oft einen leicht erhöhten Kreatininwert im Blut, ohne dass die Nieren schlechter arbeiten. Das kann bei Routineuntersuchungen zu falschen Schlüssen führen. Sag deshalb vor einer Blutabnahme Bescheid, dass du Kreatin nimmst. Welche Blutwerte für Sportler sonst noch relevant sind, steht in Blutwerte für Sportler.

Wichtig: Wer bereits eine Nierenerkrankung hat, sollte Kreatin nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.

Mythos 2: „Kreatin macht dick“

In den ersten Wochen nehmen viele ein bis zwei Kilogramm zu. Das ist kein Fett, sondern Wasser, das in die Muskelzellen eingelagert wird – Kreatin ist osmotisch aktiv und zieht Wasser mit sich. Das ist sogar erwünscht: Eine gut hydrierte Muskelzelle ist leistungsfähiger, und der Muskel wirkt voller.

Die Vorstellung, Kreatin verursache ein „aufgeschwemmtes“ Aussehen unter der Haut, ist dagegen nicht belegt. Das Wasser landet im Muskel, nicht im Unterhautgewebe. Wer in der Diät ist, sollte die Waage deshalb nach dem Start mit Kreatin nicht überinterpretieren – mehr zu Gewichtsschwankungen im Guide zum Kaloriendefizit.

Mythos 3: „Kreatin verursacht Haarausfall“

Dieser Mythos geht auf eine einzige Studie aus dem Jahr 2009 zurück. Bei College-Rugbyspielern stieg unter Kreatin der Spiegel von DHT (Dihydrotestosteron) an – einem Hormon, das bei genetischer Veranlagung mit erblich bedingtem Haarausfall in Verbindung gebracht wird. Haarausfall selbst wurde in dieser Studie gar nicht gemessen.

Seitdem haben mehrere Untersuchungen den Hormonhaushalt unter Kreatin betrachtet, ohne den DHT-Anstieg in vergleichbarer Weise zu bestätigen, und eine neuere Studie fand nach mehreren Wochen Kreatineinnahme keine Hinweise auf veränderte Haarfollikel. Ein belastbarer Zusammenhang zwischen Kreatin und Haarausfall ist nicht nachgewiesen. Wer eine starke familiäre Veranlagung hat und auf Nummer sicher gehen will, kann das Thema mit einem Dermatologen besprechen. Die ganze Geschichte erzählen wir in Haarausfall und Training: Mythen über Kreatin und Testosteron.

Mythos 4: „Kreatin führt zu Krämpfen und Dehydrierung“

Frühe Anekdoten aus dem Sport brachten Kreatin mit Muskelkrämpfen und Hitzeproblemen in Verbindung. Kontrollierte Studien haben das nicht bestätigt – einige fanden sogar weniger Krämpfe und Verletzungen bei Sportlern, die Kreatin nahmen. Trinke einfach normal und ausreichend über den Tag verteilt.

Mythos 5: „Kreatin ist Doping“

Nein. Kreatin steht nicht auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur, ist ein natürlicher Bestandteil der Ernährung und wird vom Körper selbst gebildet. Es ist frei verkäuflich und im Sport weit verbreitet.

Mythos 6: „Man muss Kreatin zyklisch nehmen“

Die Idee, Kreatin in Zyklen mit Pausen einzunehmen, damit der Körper seine Eigenproduktion nicht einstellt, ist nicht belegt. Die Eigenproduktion wird während der Einnahme zwar heruntergefahren, normalisiert sich aber nach dem Absetzen wieder. Pausen bringen keinen Vorteil.

Kreatin ab 40 und 50

Mit dem Alter verliert der Körper ohne Gegenmaßnahmen Muskelmasse und Kraft – ein Prozess, der als Sarkopenie bezeichnet wird. Mehrere Studien zeigen, dass Kreatin in Kombination mit Krafttraining bei älteren Erwachsenen zu größeren Zuwächsen an Kraft und fettfreier Masse führt als Training allein. Ohne Training ist der Effekt deutlich geringer.

Für Menschen ab 40 ist Kreatin damit eines der wenigen Supplements mit echtem, belegtem Nutzen. Die Dosierung bleibt gleich: 3 bis 5 Gramm täglich. Wie du Krafttraining im Alter sinnvoll aufbaust, liest du in Fit ab 50: Krafttraining gegen Muskelschwund und Muskelaufbau ab 40.

Kreatin kombinieren: Was passt, was nicht?

Mit Protein: Kein Problem, im Gegenteil – ein Shake nach dem Training ist ein praktischer Träger. Mehr dazu in Whey Protein.

Mit Koffein: Einige ältere Studien deuteten an, dass Koffein den Effekt von Kreatin abschwächen könnte. Neuere Untersuchungen bestätigen das für übliche Mengen nicht eindeutig. Wer empfindlich auf die Kombination reagiert, etwa mit Magenbeschwerden, kann beides zeitlich trennen. Alles zum Thema Koffein steht in Koffein als Leistungsbooster.

Mit Kohlenhydraten: Eine Einnahme mit kohlenhydrat- und proteinhaltigen Mahlzeiten kann die Aufnahme in den Muskel leicht verbessern. Das ist ein netter Bonus, aber kein Muss.

In „All-in-one“-Boostern: Viele Pre-Workout-Produkte enthalten Kreatin – oft in zu geringer Dosis. Prüfe die Menge pro Portion. Was in Boostern sonst steckt, erklären wir in Pre-Workout-Booster.

Kreatin aus Lebensmitteln: Reicht die Ernährung?

Theoretisch kannst du deine Speicher auch über die Ernährung erhöhen. Praktisch ist das kaum umsetzbar. Die folgende Übersicht zeigt grobe Richtwerte für rohe Lebensmittel – beim Garen geht ein Teil verloren:

Lebensmittel (roh)Kreatin pro 100 g (ca.)Menge für 5 g Kreatin
Hering0,7–1,0 g500–700 g
Rindfleisch0,4–0,5 g1,0–1,25 kg
Lachs0,4–0,5 g1,0–1,25 kg
Schweinefleisch0,4–0,5 g1,0–1,25 kg
Hähnchen0,3–0,4 g1,25–1,7 kg
Milch, Eier, Pflanzenpraktisch 0–

Wie viel du essen müsstest, um 5 g Kreatin aufzunehmen

Rohgewicht, Mitte der Spannen aus der Tabelle oben. Die übliche Tagesdosis über die Nahrung zu decken, ist kaum realistisch.

  • Hering0,5–0,7 kg
  • Rindfleisch1,0–1,25 kg
  • Lachs1,0–1,25 kg
  • Schweinefleisch1,0–1,25 kg
  • Hähnchen1,25–1,7 kg
Daten als Tabelle
KategorieMenge für 5 g Kreatin
Hering0,5–0,7 kg
Rindfleisch1,0–1,25 kg
Lachs1,0–1,25 kg
Schweinefleisch1,0–1,25 kg
Hähnchen1,25–1,7 kg

Um täglich fünf Gramm über die Nahrung aufzunehmen, müsstest du also mehr als ein Kilogramm Fleisch oder Fisch essen – jeden Tag. Wer gemischt isst, kommt über die Nahrung typischerweise auf ein bis zwei Gramm, ein Vegetarier auf fast nichts. Die Supplementierung ist deshalb nicht nur bequemer, sondern für volle Speicher auch der einzig realistische Weg.

Kreatin für Vegetarier und Veganer

Weil pflanzliche Lebensmittel praktisch kein Kreatin enthalten, sind die Muskelspeicher bei Vegetariern und Veganern im Durchschnitt niedriger. Der Körper gleicht das über die Eigenproduktion nur teilweise aus. Studien zeigen entsprechend, dass vegetarisch lebende Menschen bei einer Supplementierung oft stärker profitieren – sowohl bei der Leistung als auch bei der fettfreien Masse.

Ein Vorteil: Kreatin-Monohydrat wird in aller Regel synthetisch hergestellt und ist damit vegan. Prüfe lediglich, ob Kapselhüllen aus Gelatine bestehen – beim Pulver stellt sich die Frage nicht. Wie du als Vegetarier oder Veganer generell Muskeln aufbaust, erklären wir in Vegan Muskeln aufbauen.

Was passiert, wenn du Kreatin absetzt?

Setzt du Kreatin ab, passiert zunächst gar nichts Dramatisches. Die Speicher in der Muskulatur sinken über etwa vier bis sechs Wochen langsam auf das Ausgangsniveau zurück, und die körpereigene Produktion fährt wieder hoch. In dieser Zeit verlierst du das zusätzlich eingelagerte Wasser – die Waage zeigt ein bis zwei Kilogramm weniger, und die Muskeln wirken etwas weniger voll.

Muskelmasse, die du dank der höheren Trainingsleistung tatsächlich aufgebaut hast, bleibt dagegen erhalten, solange du weiter trainierst und ausreichend isst. Auch die Kraft geht nicht über Nacht verloren; du wirst lediglich bei sehr harten Sätzen wieder eine Wiederholung weniger schaffen als mit vollen Speichern. Es gibt also keinen „Kreatin-Crash“ – und keinen Grund, aus Angst davor gar nicht erst anzufangen.

Woran du merkst, dass Kreatin wirkt

Kreatin wirkt nicht über Nacht, und du spürst es nicht wie einen Kaffee. Die Effekte zeigen sich eher indirekt:

  • Du schaffst bei gleichem Gewicht ein bis zwei Wiederholungen mehr.
  • Du erholst dich zwischen den Sätzen etwas schneller.
  • Dein Körpergewicht steigt in den ersten Wochen um ein bis zwei Kilogramm.
  • Deine Muskeln wirken etwas voller.

Wer seine Trainingswerte protokolliert, erkennt den Effekt am zuverlässigsten. Wie du ein Trainingstagebuch sinnvoll führst, erklärt Trainingstagebuch führen.

Nebenwirkungen und wer vorsichtig sein sollte

Kreatin gehört zu den am besten verträglichen Supplements. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden – meist bei großen Einzelportionen während einer Ladephase – und die erwähnte Gewichtszunahme durch Wasser. Beides lässt sich durch kleinere Portionen und den Verzicht auf die Ladephase vermeiden.

Vorsicht beziehungsweise ärztliche Rücksprache ist geboten bei:

  • bestehenden Nierenerkrankungen,
  • Einnahme von Medikamenten, die die Nieren belasten,
  • Jugendlichen unter 18 Jahren, bei denen die Datenlage dünner ist.

Fazit: Das eine Supplement, das sich lohnt

Wenn du nur ein Supplement nehmen willst, nimm Kreatin-Monohydrat. Es ist günstig, gut untersucht, sicher und wirkt – nicht spektakulär, aber zuverlässig. Die Anwendung ist einfach: 3 bis 5 Gramm täglich, jeden Tag, dauerhaft. Kein Laden, keine Zyklen, kein kompliziertes Timing.

Und vergiss nicht: Kreatin verstärkt die Wirkung von gutem Training, es ersetzt es nicht. Ohne progressives Krafttraining, ausreichend Protein und Schlaf bleibt auch der beste Kreatinspeicher ungenutzt. Die Grundlagen dafür findest du im Muskelaufbau-Guide und im Artikel Wie viel Protein brauchst du wirklich?. Welche weiteren Supplements einen Platz in deinem Schrank verdienen – und welche nicht –, zeigt unsere Supplement-Pyramide.

Schritt für Schritt

Kreatin richtig einnehmen

  1. 1

    Schritt 1

    Das richtige Produkt wählen

    Kaufe reines Kreatin-Monohydrat als Pulver, idealerweise mit Prüfsiegel einer unabhängigen Kontrolle. Teurere Formen wie Kreatin-HCL oder Kre-Alkalyn haben keinen belegten Vorteil.

  2. 2

    Schritt 2

    Dosis festlegen

    Nimm täglich 3 bis 5 Gramm. Wer über etwa 90 kg wiegt, kann sich am oberen Ende orientieren.

  3. 3

    Schritt 3

    Optional: Ladephase

    Wer schneller Wirkung will, nimmt 5–7 Tage lang 20 Gramm pro Tag, aufgeteilt auf vier Portionen à 5 Gramm, und wechselt dann auf 3–5 Gramm täglich.

  4. 4

    Schritt 4

    Täglich und dauerhaft einnehmen

    Nimm Kreatin jeden Tag zu einer festen Gewohnheit ein, zum Beispiel mit dem Frühstück oder dem Shake nach dem Training. Das Timing ist zweitrangig, die Regelmäßigkeit entscheidet.

  5. 5

    Schritt 5

    Genug trinken

    Trinke wie gewohnt ausreichend über den Tag verteilt. Kreatin zieht Wasser in die Muskelzellen; eine extreme Trinkmenge ist nicht nötig.

Häufige Fragen

Wie viel Kreatin pro Tag?

Für die meisten Erwachsenen reichen 3 bis 5 Gramm Kreatin-Monohydrat pro Tag. Diese Menge füllt die Kreatinspeicher in den Muskeln nach drei bis vier Wochen vollständig auf und hält sie voll.

Wann sollte man Kreatin einnehmen?

Das Timing spielt nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, Kreatin täglich einzunehmen, auch an trainingsfreien Tagen. Viele nehmen es zum Frühstück oder nach dem Training mit einer Mahlzeit – das erleichtert die Gewohnheit.

Braucht man eine Ladephase?

Nein. Eine Ladephase mit etwa 20 g pro Tag für 5 bis 7 Tage füllt die Speicher schneller, nach drei bis vier Wochen ist das Ergebnis mit täglich 3 bis 5 g aber identisch. Die Ladephase kann bei manchen Menschen Magen-Darm-Beschwerden verursachen.

Schadet Kreatin den Nieren?

Bei gesunden Menschen haben Studien mit üblichen Dosierungen über Monate bis Jahre keine Nierenschäden gezeigt. Kreatin kann den Laborwert Kreatinin erhöhen, ohne dass die Nierenfunktion schlechter ist. Wer eine Nierenerkrankung hat, sollte Kreatin nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.

Verursacht Kreatin Haarausfall?

Die Sorge stammt aus einer einzigen kleinen Studie von 2009, in der ein Hormonmetabolit (DHT) anstieg, Haarausfall aber nicht gemessen wurde. Seitdem hat keine Studie einen Zusammenhang zwischen Kreatin und Haarausfall nachgewiesen. Ein Restrisiko ist nicht völlig ausgeschlossen, die Datenlage spricht aber nicht dafür.

Macht Kreatin dick?

Nein. Die typische Gewichtszunahme von ein bis zwei Kilogramm in den ersten Wochen ist Wasser, das in die Muskelzellen eingelagert wird. Kreatin enthält praktisch keine Kalorien und führt nicht zu Fettzunahme.

Muss man Kreatin absetzen oder Pausen machen?

Nein. Kreatin kann dauerhaft eingenommen werden, Zyklen oder Pausen haben keinen belegten Vorteil. Setzt du es ab, sinken die Speicher über mehrere Wochen wieder auf das Ausgangsniveau.

Schlagwörter

  • Kreatin
  • Supplements
  • Muskelaufbau
  • Kraft
  • Kreatin-Monohydrat
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Michael Lohrberg

Über den Autor

Michael Lohrberg· Gründer von Syrax

Michael Lohrberg hat Syrax 2026 gegründet. Bundeswehr mit Auslandseinsatz, seit 2010 in der Industrie, Schichtbetrieb und zwei Aufgaben parallel – aus der Frage, wie viel Erholung im Alltag wirklich übrig bleibt, entstand der LEEK Pulse Pro. Im Magazin schreibt er über Training, Schlaf und Regeneration – praxisnah und mit Blick auf die Studienlage.

Mehr über Michael

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Vorerkrankungen, Schmerzen oder Unsicherheit sprich vor Trainings- oder Ernährungsumstellungen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

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