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Muskelaufbau & Kraft

Progressive Overload: Das wichtigste Prinzip für Kraft und Muskeln

Ohne Steigerung kein Fortschritt – aber Steigerung heißt nicht nur „mehr Gewicht“. Die sieben Wege der progressiven Überlastung, die besten Progressionsmodelle für Anfänger und Fortgeschrittene und was du tust, wenn nichts mehr geht.

VonMichael Lohrberg

12 Min. Lesezeit

Grafik: ansteigende Balken entlang einer Trendlinie für schrittweise Steigerung

Kurz & knapp

Progressive Overload bedeutet, die Anforderung an deine Muskeln über die Zeit schrittweise zu erhöhen – durch mehr Gewicht, mehr Wiederholungen, mehr Sätze, bessere Technik, größeren Bewegungsumfang, kürzere Pausen oder höhere Dichte. Für die meisten ist die doppelte Progression am besten: Erst die Wiederholungen bis zur oberen Grenze eines Bereichs steigern, dann das Gewicht um 2,5–5 % erhöhen. Ohne Trainingsprotokoll ist systematische Progression praktisch unmöglich.

Wenn man das gesamte Wissen über Krafttraining auf einen einzigen Satz reduzieren müsste, würde er ungefähr so lauten: Mach es mit der Zeit schwerer. Dieses Prinzip heißt progressive Überlastung oder Progressive Overload, und es ist der Grund, warum manche Menschen nach zwei Jahren Training völlig verändert aussehen – und andere nach zehn Jahren genauso wie am ersten Tag.

Der Körper ist eine Anpassungsmaschine. Er reagiert auf Belastungen, die über das Gewohnte hinausgehen, indem er stärker wird und Muskeln aufbaut. Sobald er die Belastung bewältigen kann, hat er keinen Grund mehr, sich weiter anzupassen. Wer jahrelang mit denselben Gewichten für dieselben Wiederholungen trainiert, erhält seinen Zustand. Mehr nicht.

In diesem Artikel erfährst du, was progressive Überlastung konkret bedeutet, auf welche sieben Arten du sie umsetzen kannst, welche Progressionsmodelle für deinen Trainingsstand passen, wie du ein Trainingsprotokoll führst und was du tust, wenn trotz allem nichts mehr vorangeht. Er gehört zu unserem Themenbereich Muskelaufbau & Kraft und baut auf dem Muskelaufbau-Guide auf.

Das Prinzip: Warum Steigerung unverzichtbar ist

Die Sportwissenschaft beschreibt Anpassung oft mit dem Modell der Superkompensation: Training stört das Gleichgewicht des Körpers, er erholt sich und baut dabei eine kleine Reserve auf – er wird etwas stärker als vorher. Kommt der nächste Reiz zur richtigen Zeit und ist er etwas größer als der letzte, wiederholt sich der Zyklus auf einem höheren Niveau. Bleibt der Reiz gleich, pendelt sich der Körper auf diesem Niveau ein.

Das Modell ist vereinfacht, aber das Kernprinzip stimmt: Der Reiz muss langfristig wachsen. Ein Bankdrücken mit 60 Kilogramm für zehn Wiederholungen ist für einen Anfänger ein starker Wachstumsreiz. Für jemanden, der seit Jahren 100 Kilogramm drückt, ist es kaum mehr als ein Aufwärmsatz.

Wichtig ist auch, was progressive Überlastung nicht bedeutet. Sie bedeutet nicht, dass jede Einheit schwerer sein muss als die letzte. Sie bedeutet nicht, dass du dich jede Woche bis zur Erschöpfung quälen musst. Und sie bedeutet nicht, dass Gewicht die einzige Stellschraube ist. Sie bedeutet, dass die Belastung über Wochen, Monate und Jahre einen klaren Aufwärtstrend hat.

2,5–5 %Gewichtssteigerung, sobald du die obere Grenze deines Wiederholungsbereichs erreichst

Die 7 Wege der progressiven Überlastung

Die meisten denken bei Progression nur an das Gewicht auf der Stange. Das ist der offensichtlichste Weg – aber nicht der einzige und nicht immer der beste.

1. Mehr Gewicht

Der Klassiker: Du bewegst bei gleicher Wiederholungszahl mehr Last. Bei großen Grundübungen ist das der zentrale Fortschrittsmaßstab. Kniebeuge, Kreuzheben, Bankdrücken und Rudern lassen sich über Jahre in kleinen Schritten steigern.

2. Mehr Wiederholungen

Bei gleichem Gewicht schaffst du mehr Wiederholungen. Das ist besonders bei Kurzhantel- und Isolationsübungen wichtig, wo der nächste Gewichtssprung oft zu groß ist. Von 12 auf 14 Kilogramm beim Seitheben sind fast 17 Prozent mehr – kaum ein Muskel steigert sich so schnell.

3. Mehr Sätze

Mehr Volumen ist ein starker Wachstumsreiz, solange du dich davon erholen kannst. Statt drei Sätzen machst du vier. Dieser Weg ist eher etwas für Fortgeschrittene, die an der Gewichtssteigerung zu knabbern haben. Wie viel Volumen sinnvoll ist, erklärt Trainingsvolumen: Wie viele Sätze pro Muskel und Woche?.

4. Bessere Technik und Kontrolle

Wenn du heute 80 Kilogramm sauberer und kontrollierter bewegst als vor einem Monat – mit voller Tiefe, ohne Schwung, mit kontrollierter Absenkphase –, ist das ebenfalls Fortschritt. Die Spannung kommt besser im Zielmuskel an.

5. Größerer Bewegungsumfang

Eine Kniebeuge, die vor zwei Monaten knapp parallel war und heute deutlich tiefer geht, ist ein größerer Reiz – vor allem in der gedehnten Position, die für den Muskelaufbau besonders wirksam ist. Details in Bewegungsumfang: Bringen tiefe Wiederholungen mehr Muskeln?.

6. Kürzere Pausen bei gleicher Leistung

Schaffst du dieselbe Leistung mit 90 statt 150 Sekunden Pause, ist deine Arbeitskapazität gestiegen. Vorsicht: Für den Muskelaufbau sind längere Pausen bei Grundübungen meist besser. Dieser Weg eignet sich eher für Conditioning und Home-Workouts.

7. Höhere Frequenz

Statt einmal pro Woche trainierst du einen Muskel zweimal. Das verteilt das Volumen besser und erhöht die Zahl der Wachstumsreize pro Woche.

WegAm besten fürHinweis
GewichtGrundübungenHauptweg für Kraft
WiederholungenIsolationsübungen, Kurzhanteln, Bodyweighterst Wiederholungen, dann Gewicht
SätzeFortgeschritteneErholung beachten
Technik / Kontrollealle, besonders Anfängernicht messbar, aber real
BewegungsumfangKniebeuge, Ausfallschritte, Curlserst Tiefe, dann Last
PausenConditioning, Home-Trainingfür Muskelaufbau nachrangig
FrequenzEinsteiger mit 1×/Woche-Splitzuerst auf 2×/Woche umstellen

Progressionsmodelle: Welches passt zu dir?

Ein Progressionsmodell ist ein Regelwerk, das festlegt, wann und wie du steigerst. Ohne Regel entscheidet das Bauchgefühl – und das ist an schlechten Tagen zu vorsichtig und an guten zu übermütig.

Lineare Progression (Anfänger)

Das einfachste Modell: Jede Einheit oder jede Woche ein bisschen mehr Gewicht bei gleichen Sätzen und Wiederholungen. Klassische Programme wie 5×5 funktionieren so. Für Anfänger ist das hervorragend, weil sie sich in den ersten Monaten sehr schnell anpassen. Irgendwann – meist nach drei bis sechs Monaten – lässt sich das Tempo nicht mehr halten. Ein typisches Beispiel findest du in 5x5-Trainingsplan.

WocheKniebeuge (3 × 5)
160 kg
262,5 kg
365 kg
467,5 kg
570 kg

Doppelte Progression (für fast alle)

Das vielseitigste Modell und unsere Standardempfehlung. Du arbeitest in einem Wiederholungsbereich statt einer festen Zahl. Erst steigerst du die Wiederholungen, dann das Gewicht.

Doppelte Progression in 4 Schritten

  1. 1

    Schritt 1

    Wiederholungsbereich festlegen

    Wähle pro Übung einen Bereich, zum Beispiel 6–10 Wiederholungen für Grundübungen und 10–15 für Isolationsübungen.

  2. 2

    Schritt 2

    Startgewicht bestimmen

    Wähle ein Gewicht, mit dem du im ersten Satz etwa die untere Grenze des Bereichs mit 2–3 Wiederholungen Reserve schaffst.

  3. 3

    Schritt 3

    Wiederholungen steigern

    Versuche in jeder Einheit, bei gleichem Gewicht in mindestens einem Satz eine Wiederholung mehr zu schaffen – bei sauberer Technik und 1–3 Wiederholungen Reserve.

  4. 4

    Schritt 4

    Gewicht erhöhen

    Schaffst du in allen Arbeitssätzen die obere Grenze des Bereichs, erhöhe das Gewicht beim nächsten Training um 2,5–5 % und starte wieder am unteren Ende.

Ein Beispiel für Bankdrücken mit einem Bereich von 6–10 Wiederholungen über drei Sätze:

EinheitGewichtSatz 1Satz 2Satz 3Entscheidung
170 kg876weiter
270 kg987weiter
370 kg1098weiter
470 kg101010Gewicht erhöhen
572,5 kg877weiter

Der große Vorteil: Du hast immer ein klares, erreichbares Ziel für die nächste Einheit – eine Wiederholung mehr. Das funktioniert vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen und für Langhantel-, Kurzhantel- und Maschinenübungen gleichermaßen. Der 3-Tage-Ganzkörperplan für Anfänger setzt genau auf dieses Modell.

Progression nach RIR (für Fortgeschrittene)

Statt fester Wiederholungen orientierst du dich an der Nähe zum Muskelversagen. Du legst ein Ziel fest – etwa drei Sätze mit 8 Wiederholungen bei RIR 2 – und passt das Gewicht so an, dass dieses Ziel erreicht wird. Wenn dieselbe Last sich über die Wochen leichter anfühlt (RIR 3–4 statt 2), erhöhst du sie.

Das Modell berücksichtigt automatisch die Tagesform: An schlechten Tagen nimmst du etwas weniger, an guten etwas mehr. Es verlangt aber Erfahrung im Einschätzen der eigenen Leistungsreserve. Wie das funktioniert, erklären wir in RIR und RPE erklärt.

Wellenförmige und Block-Periodisierung (Erfahrene)

Wer seit Jahren trainiert, steigert sich nicht mehr von Woche zu Woche. Hier helfen Modelle, die Belastung über mehrere Wochen planen – etwa abwechselnd schwere und leichtere Tage oder Blöcke mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Das ist ein eigenes Thema, das wir in Periodisierung einfach erklärt behandeln.

Das Trainingsprotokoll: Ohne Daten keine Progression

Hier scheitern die meisten. Sie trainieren nach Gefühl, erinnern sich vage an die Gewichte der letzten Woche und wählen spontan, was sich „richtig“ anfühlt. Das Ergebnis ist Stillstand – nicht weil sie zu faul sind, sondern weil sie gar nicht wissen, ob sie sich gesteigert haben.

Ein Trainingsprotokoll ist dein wichtigstes Werkzeug. Ob Notizbuch, Tabelle oder App ist egal. Notiere für jede Übung:

  • Gewicht
  • Wiederholungen pro Satz
  • Geschätzte Reserve (RIR) im letzten Satz
  • Besonderheiten: schlechter Schlaf, Schmerzen, Technikänderung

Vor jedem Training schaust du nach, was du letztes Mal geschafft hast, und setzt dir ein konkretes Ziel. Wie du ein sinnvolles Protokoll aufbaust, steht in Trainingstagebuch führen. Ergänzend können Erholungsdaten aus einem Wearable – Schlaf, Ruhepuls und HRV – erklären, warum eine Einheit schlechter lief. Wie du diese liest, erklärt HRV verstehen.

Wie schnell kannst du dich steigern?

Die Steigerungsrate hängt stark vom Trainingsstand ab. Diese Werte sind grobe Orientierungen für Menschen, die sauber trainieren und sich gut ernähren:

TrainingsstandRealistische SteigerungBeispiel Kniebeuge
Anfänger (0–6 Monate)pro Einheit oder Woche+2,5 kg pro Woche
Fortgeschrittener Anfänger (6–18 Monate)alle 1–2 Wochen+2,5 kg alle 1–2 Wochen
Fortgeschritten (1,5–4 Jahre)pro Monat+2,5–5 kg pro Monat
Erfahren (4+ Jahre)pro Trainingsblock / Quartal+5–10 kg pro Jahr

Diese Zahlen beziehen sich auf das Arbeitsgewicht bei gleicher Wiederholungszahl, nicht auf das Maximalgewicht. Und sie schwanken mit Alter, Genetik, Körpergewicht und Lebenssituation. Wer gleichzeitig abnimmt, sollte deutlich langsamere Fortschritte erwarten – im Kaloriendefizit ist das Halten der Kraft oft schon ein Erfolg, wie wir in Fett verlieren, Muskeln behalten erklären.

Plateaus: Was tun, wenn nichts mehr geht?

Früher oder später kommt jeder an den Punkt, an dem eine Übung stagniert. Das ist normal. Zwei bis drei Wochen ohne Fortschritt sind kein Grund zur Panik. Hält der Stillstand länger an, gehe diese Checkliste durch – in dieser Reihenfolge:

1. Die Basics prüfen

Bevor du am Training schraubst: Schläfst du ausreichend? Isst du genug Kalorien und Protein? Ist dein Stresslevel gerade außergewöhnlich hoch? Erstaunlich viele Plateaus verschwinden, sobald die Nächte wieder länger werden oder das Kaloriendefizit endet. Die Grundlagen stehen in Schlaf als Leistungs-Booster und Wie viel Protein brauchst du wirklich?.

2. Ermüdung abbauen

Nach vielen Wochen harten Trainings hat sich oft Ermüdung angesammelt, die deine wahre Leistungsfähigkeit verdeckt. Eine Deload-Woche mit etwa halbiertem Volumen und etwas reduzierter Intensität lässt diese Ermüdung abklingen. Viele stellen danach neue Bestleistungen auf. Mehr in Deload-Woche: Wann und wie du sie richtig einsetzt.

3. Den Wiederholungsbereich wechseln

Wenn du seit Monaten im Bereich 6–8 trainierst, kann ein Wechsel zu 10–12 neue Reize setzen – und umgekehrt. Nach einigen Wochen kehrst du oft stärker in den alten Bereich zurück.

4. Die Übung variieren

Statt Langhantel-Bankdrücken für einen Block Kurzhantel-Bankdrücken oder Schrägbankdrücken, statt der Back Squat die Front Squat. Die Variation trainiert den gleichen Muskel aus einem leicht anderen Winkel und kann Schwachstellen ausgleichen.

5. Das Volumen anpassen

Bei Fortgeschrittenen ist zu wenig Volumen ein häufiger Grund für Stagnation. Ein bis zwei zusätzliche Sätze pro Woche für den stagnierenden Muskel können den Unterschied machen. Bei sehr hohem Volumen kann umgekehrt weniger mehr sein.

6. Kleinere Steigerungen

Wenn der Sprung von 100 auf 102,5 Kilogramm nicht klappt, helfen Mikroscheiben mit 0,5 oder 1 Kilogramm. Gerade beim Bankdrücken und Schulterdrücken sind 2,5 Kilogramm oft ein zu großer Schritt. Weitere Strategien findest du in Plateau im Krafttraining durchbrechen.

Ein Jahr Progression: Wie es in der Praxis aussieht

Zahlen auf dem Papier sind abstrakt. So kann ein typisches erstes Trainingsjahr bei jemandem aussehen, der dreimal pro Woche nach einem Ganzkörperplan trainiert, sich gut ernährt und ein Protokoll führt:

ZeitpunktKniebeuge (Arbeitssätze)BankdrückenRudernWas passiert
Monat 150 kg × 845 kg × 840 kg × 10Technik lernen, schnelle Fortschritte durch neuronale Anpassung
Monat 375 kg × 860 kg × 855 kg × 10lineare Steigerung funktioniert noch fast jede Woche
Monat 695 kg × 872,5 kg × 867,5 kg × 10erste zähe Wochen, Umstieg auf doppelte Progression
Monat 9105 kg × 880 kg × 872,5 kg × 10Fortschritt alle zwei bis drei Wochen, erste Deload-Woche
Monat 12115 kg × 885 kg × 877,5 kg × 10Steigerungen werden kleiner, aber stetig

Arbeitsgewichte im ersten Trainingsjahr (Beispiel)

Werte aus der Tabelle oben. Der steilste Anstieg kommt in den ersten Monaten – danach flachen die Kurven ab, steigen aber weiter.

  • Kniebeuge
  • Bankdrücken
  • Rudern
Daten als Tabelle
MonatKniebeugeBankdrückenRudern
150 kg45 kg40 kg
375 kg60 kg55 kg
695 kg72,5 kg67,5 kg
9105 kg80 kg72,5 kg
12115 kg85 kg77,5 kg

Die Werte sind ein Beispiel, kein Maßstab – Körpergewicht, Alter, Hebel und Vorerfahrung verschieben sie stark. Das Muster ist aber typisch: steiler Anstieg am Anfang, dann ein allmähliches Abflachen. Wer das weiß, interpretiert die zähen Wochen ab Monat sechs nicht als Versagen, sondern als den normalen Übergang vom Anfänger zum Fortgeschrittenen.

Progression in verschiedenen Lebenslagen

Ab 40: Die Grundregeln bleiben gleich, aber die Steigerungen sollten etwas kleiner und die Aufwärmphasen länger sein. Sehnen und Gelenke brauchen mehr Zeit, sich an höhere Lasten zu gewöhnen. Moderate Wiederholungsbereiche von 8 bis 15 sind oft gelenkfreundlicher als schwere Dreierserien. Mehr dazu in Muskelaufbau ab 40.

Bei Stress und wenig Schlaf: In Phasen mit hoher beruflicher oder privater Belastung ist es völlig legitim, die Progression vorübergehend auf Halten umzustellen. Gleiche Gewichte und Wiederholungen bei sauberer Technik sind in solchen Wochen ein Erfolg. Sobald sich die Lage beruhigt, geht es weiter.

Nach einer Pause: Wer einige Wochen oder Monate pausiert hat, steigt mit etwa 70 bis 80 Prozent der früheren Arbeitsgewichte wieder ein. Dank Muskelgedächtnis kommt die alte Leistung meist deutlich schneller zurück, als sie ursprünglich aufgebaut wurde. Wie das funktioniert, erklärt Muskelgedächtnis, und einen strukturierten Wiedereinstieg zeigt Trainingsplan nach Pause.

Die mentale Seite: Warum kleine Siege zählen

Progressive Überlastung ist nicht nur Physiologie, sondern auch Psychologie. Eine Wiederholung mehr als letzte Woche, ein neues Gewicht auf der Stange, ein Eintrag im Protokoll, der besser ist als der vorherige – das sind kleine Siege, die motivieren. Sie machen den Fortschritt sichtbar, lange bevor der Spiegel ihn zeigt.

Viele hören nicht mit dem Training auf, weil es zu hart ist, sondern weil sie keinen Fortschritt mehr sehen. Ein gut geführtes Protokoll mit einem klaren Progressionsmodell ist deshalb auch eines der besten Werkzeuge, um dranzubleiben. Wie du Training zur festen Gewohnheit machst, liest du in Dranbleiben statt neu anfangen.

Die häufigsten Fehler bei der Progression

Zu schnell steigern. Wer jede Woche fünf Kilogramm drauflegt, obwohl die Technik schon wackelt, bezahlt das früher oder später mit Stillstand oder Verletzungen. Sehnen und Bänder passen sich langsamer an als Muskeln.

Technik opfern. Ein Kilogramm mehr mit halber Tiefe ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt mit mehr Gewicht. Progression gilt nur bei gleicher oder besserer Ausführung.

Zu viele Übungen gleichzeitig steigern wollen. Bei Fortgeschrittenen ist es normal, dass nicht jede Übung jede Woche besser wird. Konzentriere dich auf die wichtigsten Übungen.

Ständig das Programm wechseln. Wer alle drei Wochen einen neuen Plan beginnt, hat nie die Chance, sich zu steigern. Bleib mindestens acht bis zwölf Wochen bei einem Programm.

Keine Erholung einplanen. Progression ohne Deloads führt irgendwann zu angehäufter Ermüdung, die jeden weiteren Fortschritt blockiert.

Progression und Muskelaufbau: Kraft ist nicht alles

Ein häufiges Missverständnis: Wer nur auf die Zahlen auf der Stange schaut, verwechselt Kraft mit Muskelmasse. Beides hängt eng zusammen, ist aber nicht dasselbe. Gerade in den ersten Monaten kommt ein großer Teil der Kraftzuwächse aus besserer Koordination – das Nervensystem lernt, mehr Muskelfasern gleichzeitig zu aktivieren. Später wird der Zusammenhang zwischen mehr Last und mehr Muskel enger.

Für den Muskelaufbau gilt deshalb: Progression in moderaten Wiederholungsbereichen von 6 bis 15 ist wertvoller als das Jagen eines neuen Maximalgewichts mit einer einzigen Wiederholung. Wer gezielt Muskeln aufbauen will, misst seinen Fortschritt am besten an den Arbeitssätzen, nicht am Maximaltest.

Progression im Home-Training

Ohne Hantelscheiben scheint Progression schwierig. Tatsächlich hast du im Home-Training sogar mehr Möglichkeiten, als viele denken: mehr Wiederholungen, langsamere Absenkphasen, Pausen in der schwersten Position, einbeinige oder einarmige Varianten, erhöhte Füße bei Liegestützen und schließlich schwierigere Übungsprogressionen bis hin zu Pistol Squats und Muscle-Ups. Wie das systematisch funktioniert, zeigen Bodyweight-Progressionen und unser Home Workout ohne Geräte.

Fazit: Kleine Schritte, großer Effekt

Progressive Überlastung ist kein kompliziertes Konzept, aber eines, das Disziplin erfordert. Die Summe vieler kleiner Steigerungen ist das, was über ein Jahr den Unterschied macht. Eine Wiederholung mehr hier, 2,5 Kilogramm mehr dort – unscheinbar in der einzelnen Einheit, beeindruckend über zwölf Monate.

Wähle ein Progressionsmodell, das zu deinem Trainingsstand passt, führe ein Protokoll und bleib geduldig. Wenn du dazu einen bewährten Plan suchst, beginne mit dem 3-Tage-Ganzkörperplan oder, wenn du schon länger trainierst, mit dem Oberkörper/Unterkörper-Split. Und wenn du die Grundübungen technisch auf ein neues Level bringen willst, helfen unsere Guides zur Kniebeuge und zum Bankdrücken.

Häufige Fragen

Was bedeutet Progressive Overload?

Progressive Overload, auf Deutsch progressive Überlastung, bedeutet, die Trainingsanforderung über Wochen und Monate schrittweise zu erhöhen, damit sich der Körper weiter anpasst. Das kann über mehr Gewicht, mehr Wiederholungen, mehr Sätze oder eine bessere Ausführung geschehen.

Wie oft sollte man das Gewicht erhöhen?

Anfänger können in den ersten Monaten oft jede Woche oder sogar jede Einheit leicht steigern. Fortgeschrittene steigern eher alle zwei bis vier Wochen, Erfahrene teils nur noch über Monate. Entscheidend ist, dass die Steigerung über einen längeren Zeitraum stattfindet, nicht in jeder Einheit.

Was tun, wenn man nicht mehr stärker wird?

Prüfe zuerst Schlaf, Ernährung und Kalorienzufuhr. Danach helfen eine Deload-Woche, ein anderer Wiederholungsbereich, eine Variation der Übung, mehr Volumen oder ein Wechsel des Progressionsmodells. Ein Plateau über zwei bis drei Wochen ist normal, über sechs Wochen ein Signal zum Handeln.

Muss man immer mehr Gewicht nehmen?

Nein. Mehr Wiederholungen mit gleichem Gewicht, mehr Sätze, ein größerer Bewegungsumfang oder eine kontrolliertere Ausführung sind ebenfalls Progression. Besonders bei Isolationsübungen und im Home-Training ist die Steigerung der Wiederholungen oft sinnvoller als die des Gewichts.

Wie klein sollten Gewichtssteigerungen sein?

Bei großen Übungen wie Kniebeuge und Kreuzheben sind 2,5 bis 5 kg üblich, bei Bankdrücken und Schulterdrücken eher 1 bis 2,5 kg. Bei Kurzhanteln und Isolationsübungen sind die Sprünge oft zu groß; dort steigerst du zuerst die Wiederholungen.

Schlagwörter

  • Progressive Overload
  • Progression
  • Krafttraining
  • Muskelaufbau
  • Trainingsplanung
  • Plateau
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Michael Lohrberg

Über den Autor

Michael Lohrberg· Gründer von Syrax

Michael Lohrberg hat Syrax 2026 gegründet. Bundeswehr mit Auslandseinsatz, seit 2010 in der Industrie, Schichtbetrieb und zwei Aufgaben parallel – aus der Frage, wie viel Erholung im Alltag wirklich übrig bleibt, entstand der LEEK Pulse Pro. Im Magazin schreibt er über Training, Schlaf und Regeneration – praxisnah und mit Blick auf die Studienlage.

Mehr über Michael

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Vorerkrankungen, Schmerzen oder Unsicherheit sprich vor Trainings- oder Ernährungsumstellungen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

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